Rede des Fraktionsvorsitzenden
Jürgen Thomas zum Kreishaushalt 2004

 

01.12.2003 | Seite 1 / 2



Für Christen beginnt mit dem Advent die Zeit des Hoffens. Ist es deshalb Absicht oder nur Zufall, Herr Landrat, dass der Haushalt 2004 gerade jetzt vorgelegt wird und nicht wie zuletzt erst im März?Aber schon der erste Blick in dieses Zahlenwerk zeigt, dass man darin keine positiven Perspektiven erkennen geschweige denn Hoffnung hegen kann.

"Ende der Kreativität" hat die RHEINPFALZ am Wochenende festgestellt. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Aber sollen wir das so einfach hinnehmen?

Daran, dass die Haushalte gegen geltendes Recht verstoßen, hat man sich zwischenzeitlich schon gewöhnt und das eilig geforderte Haushaltssicherungskonzept gehört bald der Vergangenheit an. Es war und ist ja ohnehin nur eine lästige Arbeitsbeschaffungs-maßnahme für den Kämmerer, der diese Fleißarbeit aber mit dankenswerter Offenheit erledigt hat.

Die Kommunalaufsicht erweist sich als zahnloser Papiertiger und täte besser daran, ihre Auftraggeber daran zu erinnern, die Gesetze einzuhalten. Warum befinden wir uns in dieser unerträglichen Situation?

Da werden in Berlin und Mainz Gesetze beschlossen, welche Landkreis und Kommunen umzusetzen haben, ohne dass die dazu erforderlichen Geldmittel in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden. Für die Wegnahme der Grunderwerbsteuer fehlt der adäquate Ausgleich und die Gewerbesteuerumlage tut ein übriges.

Würde uns nur die verauslagte  Sozialhilfe wieder gegeben ....

Meine Damen und Herren,
Fehlbeträge im Kreishaushalt sind nichts außergewöhnliches, aber nicht in dieser Größenordnung und vor allem nicht in dieser Ausweglosigkeit.

Von rund 2,3 Mio. € in 2002 über rund 7 Mio. im laufenden Jahr und nun weitere 8.6 Mio. €, das sind Ende 2004 runde 18 Mio. € Fehlbetrag.

Tritt das Szenario ein, welches uns der Kämmerer im Haushaltssicherungskonzept  aufgezeigt hat, stehen wir in vier Jahren bei 41 Mio. €. Und dabei sind die schon jetzt unkalkulierbaren Einnahmeausfälle durch Steuersenkungen und die vorgezogene Steuerreform noch nicht berücksichtigt.

Haushaltsfehlbeträge und Verschuldung zusammen  machen fast 80 Mio. € aus, mehr als das dreifache Jahresaufkommen der Kreisumlage - und diese liegt in ihrer Höhe an der Spitze der Landkreise. In dieser Situation halten wir es für nicht verantwortbar, dass für Investitionen weitere Kredite aufgenommen werden.

IIch weiß, dies ist bei der derzeitigen Zinslage eigentlich verkehrt, aber wir können ja auch nicht zum Insolvenzrichter gehen und uns so unserer Schulden entledigen.

Der Haushalt zeigt Sparansätze, aber diese sind uns noch nicht ausreichend.

 


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